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Als BLI 2008 seinen ersten nachhaltigen Investmentfonds auflegte, war die Branche noch lange nicht vom heutigen Trend hin zu nachhaltigen und verantwortungsbewussten Investitionen gefasst. Ein gestiegenes Bewusstsein für den Klimawandel und vermehrte soziale Ungleichheiten haben seitdem sicherlich zum Sinneswandel bei institutionellen Anlegern, Vermögensverwaltern und der Gesellschaft im Allgemeinen beigetragen. Darüber hinaus führt das Pariser Abkommen, zusammen mit dem Europäischen Aktionsplan für Regulierung, dazu, Bedürfnisse verschiedenster Interessengruppen in den Investmententscheidungen zu berücksichtigen.

2020 erreichte das Vermögen in nachhaltigen Fonds ein Rekordhoch mit einem globalen Zufluss von 14 % im dritten Quartal. [1] Aktuelle Ereignisse, angeführt von der globalen Gesundheitskrise, Anti-Rassismus-Proteste sowie die Waldbrände im Amazonas, in Kalifornien und Australien haben die Dynamik beschleunigt und die Bedeutung der ökologischen und sozialen Herausforderungen sowie die Notwendigkeit starker Governance-Rahmenbedingungen auf Länder- und Unternehmensebene deutlich gemacht. Natürlich sind das Reporting und die Einbeziehung extra-finanzieller Daten je nach Region, Sektor, Größe und Anlageklasse unterschiedlich ausgefeilt, aber auf globaler Ebene ist ein gemeinsames Bewusstsein für die Dringlichkeit des Handelns festzustellen. Eine umfassende extra-finanzielle Berichterstattung, einschließlich der Ausrichtung des Geschäftsmodells eines Unternehmens an den Zielen der nachhaltigen Entwicklung der UN (SDG), wird langsam, aber sicher zur Norm. Das Gleiche gilt für Investitionsstrategien, die finanzielle und extra-finanzielle Faktoren kombinieren und den Schwerpunkt auf Unternehmen legen, die den Herausforderungen von morgen gewachsen sind.

Die Lernkurve

 

Langfristigkeit steht seit jeher im Mittelpunkt der BLI-Anlagephilosophie. In dieser Hinsicht konzentrieren wir uns auf Unternehmen, Anleiheemittenten und Drittfonds, die sich der Schaffung fortwährender Renditen verschrieben haben, und die nicht nur die finanziellen Interessen der Aktionäre (oder Gläubiger im Falle einer Anleiheinvestition), sondern auch die der Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden, Gemeinden und der Umwelt respektieren.

Als unsere erste allgemeine ESG-Politik 2017 veröffentlicht wurde, war die ESG-Analyse in erster Linie eine Möglichkeit, die Risiken unserer Portfolios zu mindern. Der Schwerpunkt lag auf der Identifizierung und Vermeidung der schwarzen Schafe, vor allem durch den Ausschluss der umstrittensten Unternehmen. Dieser globale Ansatz wurde in einigen Fonds mit spezifischen nachhaltigen Anlagen wie Mikrofinanz oder über den BL Sustainable Horizon, den Flaggschiff-SRI-Aktienfonds von BLI, gekoppelt. 

Seitdem haben wir den Anwendungsbereich der ESG-Anlagestrategie auf jede verwaltete Anlageklasse ausgeweitet. Die Ansätze sind für jede der Anlageklassen spezifisch und wurden progressiv umgesetzt. Somit nimmt die ESG-Dimension nun eine deutlich umfassendere Rolle ein: vor, während und nach dem Investitionsprozess. Dies ist ein logischer und konsequenter nächster Schritt zu unseren langfristig orientierten, auf Überzeugung beruhenden Anlagegrundsätzen.

Neuerungen

 

Für jede der drei Anlageklassen, in denen BLI tätig ist – Aktien, Anleihen und Multimanagement – haben wir eine spezifische nachhaltige und verantwortungsbewusste Anlagepolitik entwickelt, die sich nahtlos in unsere bewährten Anlagegrundsätze einfügt:Quelle: BLI

 

I. Aktien – Business-Like Investing bedeutet, eine unternehmerische Sichtweise anzunehmen, wenn man eine aktive, langfristige Beteiligung an einem Unternehmen eingeht

Bevor eine Position in einem Unternehmen aufgebaut wird, wird sichergestellt, dass diese internationalen Konventionen respektiert und nicht in der Produktion umstrittener Waffen tätig ist.  Darüber hinaus führt BLI eine qualitative Inhouse-Kontroversen-Analyse von Emittenten durch, d.h. es werden materielle ESG-bezogene Ereignisse identifiziert, die das Geschäftsmodell, die Reputation und damit den Investment Case von BLI beeinflussen könnten..

Bei der fundamentalen Analyse soll die Stärke des Wettbewerbsvorteils eines Unternehmens identifiziert und quantifiziert werden sowie sein langfristiges Potenzial eingeschätzt werden. Die systematische ESG-Integration erfolgt auf der Ebene des Bewertungsmodells über eine Anpassung der Eigenkapitalkosten. In der Praxis bedeutet dies, dass einem Unternehmen mit einem soliden ESG-Profil niedrigere Eigenkapitalkosten zugeschrieben werden, was wiederum zu einem höheren fairen Wert führt, während ein ESG-Nachzügler mit proportional höheren Eigenkapitalkosten und damit einem niedrigeren intrinsischem Wert pönalisiert wird.

Als active Owner (aktiver Inhaber) haben wir unsere Engagemet-Bemühungen durch einen schrittweisen Übergang zu einem stärker formalisierten Prozess verstärkt. Engagement besteht aus einem konstruktiven Dialog zwischen institutionellen Anlegern und Unternehmen, um festzustellen, wie sie mit ESG-Risiken umgehen und Geschäftsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit bewerten. Darüber hinaus stimmen wir auf den Hauptversammlungen unserer Beteiligungsunternehmen auf Basis einer nachhaltigen Abstimmungspolitik ab.

Die Integration von ESG-FaktorenKern von BLIs Bewertungs-und Managementprozesses unterstreicht die Bedeutung, die der Nachhaltigkeitsdimension beigemessen wird.

 

II. Anleihen – Suche nach Emittenten mit stabiler oder sich verbessernder Qualität

Anleihen werden oft als eine Anlageklasse angesehen, die sich besonders dazu eignet, einen direkten Impact (Auswirkung) zu erzielen. Nachhaltigkeitskriterien können hierbei innerhalb einer Anlagestrategie für Anleihen entweder einzeln oder in Kombination eingebracht werden.

Bei Anleiheinvestitionen verfolgen wir zwei komplementäre Ansätze: einerseits eine ESG-Optimierung und andererseits Impact-Investitionen.

Im Rahmen der "ESG-Optimierung", berücksichtigen wir ESG-Faktoren bei der Analyse und Auswahl einzelner Emittenten. Dieser Ansatz kann sowohl auf staatliche als auch auf private Emittenten angewandt werden. Für Staatsanleihen hat BLI einen eigenen internen Score zur Portfoliooptimierung entwickelt, mit dem Ziel, im Vergleich zu einem repräsentativen Index einen höheren ESG-Score zu erzielen.

So genannte "Impact-Investitionen" werden mit dem Ziel getätigt, um neben der finanziellen Rendite auch eine positive soziale und/oder ökologische Wirkung zu erzielen. Wir unterscheiden zwei Arten von Impact-Investitionen:

  • „Liquide“ Impact-Investitionen: Grüne Anleihen – Schuldverschreibungen, deren Verwendungszweck im Vorfeld vertraglich Projekten mit Auswirkungen auf die Anpassung an den Klimawandel bzw. dessen Eindämmung sowie anderen Projekte zur Erzeugung von Nachhaltigkeit zugeschrieben wurden.
  • „Alternative“ Impact-Investitionen: Mikrofinanzinvestitionen, deren Ziel darin besteht, Menschen, Gemeinschaften oder Kleinunternehmen Zugang zu Finanzierungen zu verschaffen – meist in geringer entwickelten Ländern.

 

III. Multimanagement – Identifizierung von Drittfonds, die unseren quantitativen sowie qualitativen Anforderungen entsprechen

Es besteht ein breites Spektrum von ESG-Investitionsstrategien, wobei Vermögensverwalter ESG-Faktoren in unterschiedlichem Umfang aufgrund unterschiedlicher Anlagestile, ihres Erfahrungsniveaus oder verfügbarer Ressourcen im Investmentprozess integrieren. Unser Bestreben ist es daher, die Vermögensverwalter und ihre jeweiligen Fonds unabhängig voneinander zu analysieren.

Das Multimanagement-Team hat einen Fragebogen erstellt, um aufzeigen, wie der Vermögensverwalter an sich im Hinblick auf nachhaltiges Investieren positioniert ist, was seine Philosophie beinhaltet und welche konkreten Maßnahmen er im Investitions- und Entscheidungsprozess umgesetzt hat. Die Antworten auf den Fragebogen werden auch darüber entscheiden, ob ein Fonds für eine Investition in den neu aufgelegten Fonds, den BL Fund Selection Smart Evolution, in Frage kommt.

Die Herausforderungen

Die Berücksichtigung von extra-finanziellen Daten im Investitionsprozess ist natürlich nicht frei von Herausforderungen und Hindernissen. Als kleinerer Vermögensverwalter wenden wir einen „Best Effort"-Ansatz an. Wie viele unserer Branchen-Kollegen bereits festgestellt haben, mangelt es nach wie vor an allgemeiner Konsistenz hinsichtlich des Reportings der Unternehmen, und dementsprechend fehlen auch relevante Daten, was zu Lücken in der Verfügbarkeit und Qualität von wichtigen Kennzahlen führen kann.

Diese Diskrepanz wird zum Teil durch die kommenden EU-Regulierungen behoben werden. Wir als einzelner Vermögensverwalter können dazu beitragen, die Datenlage zu verbessern, indem wir Erkenntnisse veröffentlichen, die wir im Rahmens unseres Dialogs mit den Unternehmen (Engagement) erarbeitet haben. Wir glauben jedoch auch, dass nicht alle Schwächen nur der Datenverfügbarkeit anzukreiden sind und dass bemerkenswerte und bedeutsame Fortschritte innerhalb unserer Industrie möglich sind.

ESG ist unweigerlich ein stark subjektiver Aspekt bei Investitionsentscheidungen. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind Exklusionen, die häufig zum Tragen kommen: Bestimmte Branchen und Aktivitäten werden bei dieser Vorgehensweise aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen, weil ihre Aktivitäten als unethisch und schädlich angesehen werden. Welche das sind, hängt unter anderem von länderspezifischen Kontexten des Vermögensverwalters sowie von seinen Normen und Werten ab.

In dieser Hinsicht geben wir nicht vor, alle richtigen Antworten parat zu haben, weshalb wir uns dafür entschieden haben, Exklusionen lediglich im Einklang mit internationalen Standards anzuwenden, während wir weitere Ausschlüsse im Ermessen jedes einzelnen Fondsmanagers belassen. Stand heute sehen wir „Nachhaltiges Investieren“ als einen Prozess des „Learning by doing“, der den Finanzexperten laufend neue Kompetenzen abverlangt. Dementsprechend können und werden Strategien progressiv auf Basis neuer Erkenntnisse angepasst.

Schließlich stellen wir auch fest, dass der ESG-Trend die Branche in seinen Grundfesten verändert. Der so entstandene Druck führt teilweise leider auch zu Auswüchsen, wie dem „Greenwashing“, da Akteure sich gezwungen fühlen, dem Trend zu folgen, jedoch nicht über das nötige Know-how und Ressourcen verfügen. Zusätzlich ist am Markt ein gewisses Herdenverhalten zu beobachten: so ist beispielsweise ein bemerkenswerter Anstieg der Bewertungen von so genannten erstklassigen ESG-Wertpapieren festzustellen. BLI versucht, sich dieser Praxis zu entziehen, indem wir unsere bewährten Prinzipien anwenden: wir beleuchten die Zielunternehmen aus möglichst vielen Blickwinkeln, um langfristig tragfähige Substanz zu identifizieren – sowohl aus finanz- als auch aus ESG-technischen Gesichtspunkten.

Conclusio

Es ist klar, dass der Zustand der Welt nicht auf einmal radikal verändert werden kann.

Nachhaltige und verantwortungsbewusste Investitionspraktiken dienen dazu, schrittweise zielführende Entscheidungen für eine bessere Zukunft zu ergreifen. Das bedeutet, nach Unternehmen zu suchen, deren Geschäftsmodell sich von anderen insofern unterscheidet, als es negative ökologische und soziale Externalitäten reduziert und positive Kausaleffekte ermöglicht.

Gute Absichten reichen jedoch nicht aus; Maßnahmen sollten auf soliden Fundamenten, klaren Prinzipien sowie expliziten und erreichbaren Zielen beruhen – dies sollte sowohl für Unternehmen, in die wir investieren, als auch uns selbst als Investoren gelten.

Mit der Unterzeichnung der Prinzipien der Vereinten Nationen für verantwortungsbewusste Investitionen (UN PRI) 2017 ist BLI eine langfristige Verpflichtung eingegangen. Drei Jahre später sind wir überzeugt, dass wir die Weichen richtiggestellt haben, und wir  werden unsere Bemühungen in dieser Hinsicht fortsetzen. Wir haben jedoch weder das Ziel noch den Anspruch, ein „grüner Investor" par excellence zu werden. Angesichts der Komplexität der Aufgabe sind wir uns bewusst, dass nicht jeder mit unseren Weichenstellungen einverstanden sein wird – aber das ist eine logische Konsequenz der Vielschichtigkeit des Themas. Damit man zielgerichtete Entscheidungen treffen kann, die auch etwas bewirken, muss man sich einen gewissen Rahmen vorgeben. Bei BLI haben wir entschieden, Schritt für Schritt vorzugehen und auf unsere starke Basis aufzubauen.

Nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren befindet sich in ständiger Entwicklung. Daher ist es unumgänglich, dass die Frage gestellt wird, was genau seine Rolle ist – eine zusätzliche Ebene des Risikomanagements, ein Instrument zur Rettung der Welt oder etwas dazwischen. Wir befinden uns mitten in dieser Diskussion und werden auch weiterhin versuchen, zur Beantwortung der Frage beizutragen.

 

Link zum BLI-Jahresbericht 2020 - Nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren

 

_________________

[1] Global Sustainable Fund Flows: Q3 2020 in Review, Morningstar

Julien Jonas, SRI Strategist

Julien trat 2017 dem BLI-Produktmanagement-Team bei, wo er mit der Entwicklung der ersten ESG-Politik begann. Seit 2019 ist er als leitender SRI-Stratege verantwortlich für die Entwicklung, Umsetzung und Überwachung der SRI-Strategie von BLI. Julien verfügt über einen MSc in Wirtschaftswissenschaften der Wirtschaftsuniversität Wien.

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Annick Drui, SRI Strategist

Annick kam im März 2020 zum SRI-Team von BLI - Banque de Luxembourg Investments. Sie verfügt über einen MSc in Finanzwesen der HEC Lausanne mit Spezialisierung im Asset- und Risikomanagement. Im Juni 2020 erwarb Annick den ESG-Analysten-Abschluss CESGA (Certified ESG Analyst von EFFAS).

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