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25. November 2025 9 min

Nach mehreren Jahren der Underperformance gegenüber Technologiegiganten könnten US-amerikanische Small- und Mid-Cap-Aktien ein Comeback erleben. Mit historischen Bewertungsabschlägen profitieren sie nun von einem günstigen Umfeld: geldpolitische Lockerung und pro-inländische Witschaftspolitik. Eine Konvergenz von Faktoren, die einen Wendepunkt markieren könnte.

Langfristig betrachtet haben Small- und Mid-Cap-Unternehmen in der Vergangenheit eine bessere Performance erzielt als Large-Cap-Unternehmen. Während dies für Mid Caps weiterhin zutrifft, wurden Small Caps in den letzten zwei bis drei Jahren von Large Caps überholt. Vor allem die großen Technologietitel wie FAANG und MAG7 trieben eine beeindruckende (und etwas beunruhigende) Performance der Large-Cap-Indizes voran.

Gesamtrendite - SPX/MID/SML

Abb. 1 – wöchentl. Daten in USD, Zeitraum: 29.09.1995–26.09.2025, Gesamtrendite mit Bruttodividende, Quelle: Bloomberg

Nach mehreren Jahren eher mäßiger Performance mehren sich aber nun die positiven Signale: Mehrere Faktoren wie attraktive Bewertungen in Verbindung mit einer konstruktiven Geld- und Fiskalpolitik sprechen derzeit für Small und Mid Caps.

Abschlag auf die Bewertungen

In der Vergangenheit wurden Aktien der Small und Mid Caps mit einem Bewertungsaufschlag gegenüber Large Caps gehandelt, der ihre besseren Wachstumschancen widerspiegelte. Dieser Trend hat sich nun umgekehrt. Betrachtet man das 12-monatige Forward- und Trailing-KGV der verschiedenen Indizes, so ergibt sich aktuell folgendes Bild: Der S&P 500 (Large Caps) weist ein Forward-KGV von 22,7 und ein Trailing-KGV von 25,6 auf, der S&P 400 (Mid Caps) liegt bei 16,0 bzw. 17,7 und der S&P 600 (Small Caps) bei 15,1 bzw. 17,1 1 .

  

S&P 400 PE / S&P 500 PE

Abb. 2 – Trailing KGV (12 Monate) – Zeitraum: 30.09.1995–30.09.2025 – Quelle: Bloomberg

Der derzeitige Abschlag ist weit mehr als eine vorübergehende Marktstörung. Er liegt außerhalb historischer Bandbreiten, und solche Werte wurden bisher nur in Situationen beobachtet, die einer signifikanten Rückkehr zum Mittelwert vorausgingen – wie unmittelbar vor dem Platzen der Tech-Blase. Erkennbar ist dies auch in den Abbildungen 2 und 3: Sie zeigen einen Vergleich der Kurs-Gewinn-Verhältnisse für Mid/Large und Small/Large Caps. Beide belegen historisch außergewöhnliche und deutlich diskontierte Bewertungen für Small und Mid Caps in Bezug auf das KGV.

S&P 600 PE / S&P 500 PE

Abb. 3 – Trailing KGV (12 Monate) – Zeitraum: 30.09.1995–30.09.2025 – Quelle: Bloomberg

 

Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis und das Kurs-Umsatz-Verhältnis sind ähnlich überzeugend: Während der S&P 500 derzeit mit dem 5,5-Fachen des Buchwerts und dem 3,5-Fachen des Umsatzes bewertet wird, notieren Mid Caps lediglich beim 2,6-Fachen des Buchwerts und dem 1,4-Fachen des Umsatzes, Small Caps sogar nur bei 1,9 bzw. 1,22 . Diese scheinbar extreme Unterbewertung bietet einen erheblichen Schutz vor Kursverlusten, da in den Small und Mid Caps bereits zahlreiche negative Nachrichten eingepreist sind. So ergibt sich ein asymmetrisches Risiko-Ertrags-Profil mit starkem Aufwärtspotenzial.

Bei genauerer Betrachtung des Gewinnwachstums und der Preisänderungen wird das Bild noch deutlicher. Small- und Mid-Cap-Unternehmen konnten ihre Gewinne in den vergangenen 30 Jahren jährlich um 10 % steigern, Large Caps nur um rund 7 %. Zwanzig Jahre lang – von 1995 bis 2015 – schlug sich dieses relativ höhere Gewinnwachstum in einer außergewöhnlichen Outperformance von Small und Mid Caps gegenüber large Caps nieder. Die Indizes der Small und Mid Caps stiegen um 438 % bzw. 535 %, die der Large Caps nur um 229 %.

Der derzeitige Abschlag spiegelt die mehrjährige Kompression der SMID-Cap-Bewertungen wider, trotz eines konstanten Gewinnwachstums. In den letzten zehn Jahren ist das KGV bei Small Caps von 18,8 auf 17,1 und damit um rund 9 % zurückgegangen. Auch Mid Caps stagnierten: Im gleichen Zeitraum bewegte sich ihr KGV zwischen 17,4 und 17,7, während das KGV der Large Caps von 16 auf 26, also um fast 61 %, stieg. Die Kennzahlen der Small und Mid Caps gingen zurück, obwohl das jährliche Gewinnwachstum bei Small Caps 9,2 % und bei Mid Caps 8,5 % betrug und somit über dem Gewinnwachstum der Large Caps (8,2 %) lag3 .

Diese Unterschiede haben frappierende Auswirkungen: In den letzten zehn Jahren sind die Gewinne der Small Caps um 141 % gestiegen, der jeweilige Index jedoch nur um 123 %. Bei Mid Caps stand einem Gewinnwachstum von 127 % ein Anstieg des Index um lediglich 138 % gegenüber. Im Gegensatz dazu stieg der Gewinn je Aktie bei Large Caps nur um 121 %, der Index jedoch um fast 250 %. Diese Diskrepanz zwischen fundamentaler Performance und Marktbewertung bildet die Basis für das aktuelle Potenzial.

30 Jahre - 1995-2025

  SPX MID SML
Kursänderung 1044% 1413% 1099%
Anstieg Gewinn je Aktie 624% 1648% 1912%
Gewinnwachstum p. a. je Aktie 6.8% 10.0% 10,5%
Änderung KGV 59% -12% -38%

20 Jahre - 1995-2015

  SPX MID SML
Kursänderung 229% 535% 438%
Anstieg Gewinn je Aktie 228% 670% 734%
Gewinnwachstum p. a. je Aktie 6,2% 10,7% 11,0%
Änderung KGV -1% -14% -32%

10 Jahre - 2015-2025

  SPX MID SML
Kursänderung 248% 138% 123%
Anstieg Gewinn je Aktie 121% 127% 141%
Gewinnwachstum p. a. je Aktie 8,2% 8,5% 9,2%
Änderung KGV 60% 2% -9%

Tabelle 1 – Quelle: Bloomberg – Berichtszeitraum jeweils 1 Jahr per Ende September

Geldpolitik: vom Gegenwind zum Rückenwind

Die Umstellung der US-Notenbank (Federal Reserve) auf einen Lockerungszyklus in der Geldpolitik könnte für Small und Mid Caps konkrete Impulse geben: Sie reagieren wesentlich sensibler auf Zinsänderungen, da sie stärker auf variabel verzinsliche Schulden und kürzere Laufzeiten angewiesen sind. Historische Analysen zeigen eine Outperformance der Small und Mid Caps gegenüber Large Caps in den 3–12 Monaten nach einer ersten Zinssenkung der Fed.

Die Kurse von Small- und Mid Caps stiegen bei Zinssenkungen der Fed stärker als bei Large Caps – Performance nach der ersten Zinssenkung

Abb. 6 – Quelle: Jefferies unter Nutzung von Federal Reserve Board, Haver Analytics, Center for Research in Securities Prices (CRSP®), und University of Chicago Booth School of Business.

Geringere Fremdkapitalkosten kommen vor allem kleineren Unternehmen zugute, die für ihr Wachstum stärker auf externe Finanzierung angewiesen sind. Bei sinkenden Fremdkapitalkosten können Small und Mid Caps mehr in Wachstumschancen investieren, ihre Profitabilität verbessern und sich stärker an M&A-Aktivitäten beteiligen. Mit niedrigeren Zinsen steigt zudem die Zuversicht des Managements und die Kapitalkosten sinken, sodass ein besseres Wachstumsumfeld entsteht. Die Kombination aus geringeren Finanzierungskosten und verbesserter Kreditverfügbarkeit könnte einen erheblichen Rückenwind für die Performance von SMID-Cap-Unternehmen bedeuten.

Dies spiegelt sich auch in der Beziehung zwischen Zinssätzen und der Performance von Small Caps wider: Die Korrelation zwischen der Performance von Small Caps und den Zinssätzen zeigt eine starke inverse Beziehung, d. h. Small-Cap-Aktien steigen bei sinkenden Zinsen und geraten bei steigenden Zinsen in Schwierigkeiten. Sinken die Zinsen also weiter, könnte dies Small-Cap-Aktien einen soliden Schub verleihen. Angesichts dieser ausgeprägten negativen Korrelation könnte ein anhaltender Rückgang der Renditen eine erhebliche Stütze für eine Erholung der Small Caps darstellen4.

Staatliche Maßnahmen begünstigen US-Wirtschaft

Die „America First“-Agenda der Trump-Regierung schafft zahlreiche günstige Rahmenbedingungen, von denen insbesondere auf den Binnenmarkt fokussierte Unternehmen profitieren. SMID-Cap-Unternehmen erzielen etwa 80 % ihrer Umsätze in den USA, verglichen mit 59 % bei Large-Cap-Unternehmen, sodass sie überproportional von politischen Initiativen profitieren dürften. Der Rückgang des internationalen Wettbewerbs und Marktanteilsgewinne durch höhere Einfuhrzölle, die die Wettbewerbsfähigkeit der Importe verringern, könnten in Verbindung mit potenziellen Reshoring-Möglichkeiten das Wachstum von SMID-Cap-Unternehmen vorantreiben.

Die Deregulierung ist einer der stärksten Katalysatoren für die Performance von Small Caps. Die Regulierung hat als wirksamer Schutzwall für größere Unternehmen gedient, die über die Ressourcen verfügen, um die Compliance effizient zu bewältigen. Eine Verringerung der regulatorischen Belastung dürfte kleineren Unternehmen, die durch Compliance-Kosten eingeschränkt waren, überproportional helfen und eine schnellere Produktzulassung ermöglichen.

Zudem könnte der „One Big Beautiful Bill Act“ durch steuerliche Entlastungsmaßnahmen unterstützend wirken. Diese Maßnahmen verbessern insgesamt die Wettbewerbsposition kleinerer, auf den Binnenmarkt ausgerichteter Unternehmen, die im Vergleich zu großen Unternehmen mit ausgefeilten Strategien zur Steuerminimierung in der Regel weniger gut gerüstet sind, um ihre Steuerlast zu minimieren. Insgesamt hat die Politik der Regierung Trump das Potenzial, den effektiven Unternehmenssteuersatz auf bis zu 12 % zu senken – den niedrigsten Wert in der Geschichte der USA5. Einer der wichtigsten Faktoren, die die Steuerlast senken, ist die Wiedereinführung der hundertprozentigen Abschreibung für förderfähige Investitionen ab dem 19. Januar 2025. Unternehmen können so die gesamten Anschaffungskosten für Maschinen, Anlagen oder förderfähige bauliche Verbesserungen im Anschaffungsjahr steuerlich geltend machen und so ihr zu versteuerndes Einkommen senken und den Cashflow verbessern.

Zusätzlich können Unternehmen ab der Steuererklärung 2025 die Forschungs- und Entwicklungskosten im Inland wieder vollständig im Entstehungsjahr absetzen. Damit wird die seit 2022 geltende Regel aufgehoben, nach der diese Ausgaben aktiviert und über fünf Jahre abgeschrieben werden mussten. Das bedeutet: Investierte ein Unternehmen 2023 1 Mio. USD in Forschung und Entwicklung, konnte es fünf Jahre lang nur 200 000 USD pro Jahr absetzen. Mit der Wiedereinführung der sofortigen Abschreibung im Entstehungsjahr, ist der Gesamtbetrag von 1 Mio. USD im ersten Jahr absetzbar. Die Auswirkungen auf den Cashflow sind erheblich: Bei einem Körperschaftsteuersatz von 21 % spart eine sofortige Abschreibung von 1 Mio. USD im ersten Jahr 210 000 USD an Steuern. Bei Abschreibung über fünf Jahre spart das Unternehmen nur 42 000 USD pro Jahr. Der Unterschied: 168 000 USD unmittelbarer Cashflow, der in das Unternehmen reinvestiert werden kann.

Diversifizierung

Das große Gewicht der Mega Caps in den Indizes spricht klar für eine Diversifizierung: Im Mai 2025 machten Small Caps weniger als 4 % der gesamten Marktkapitalisierung in den USA aus. Der langfristige Durchschnitt liegt jedoch bei rund 7% 6. Die Tatsache, dass die Marktkapitalisierung einer einzigen Aktie (Nvidia) das 1,4-Fache des gesamten S&P 400 Mid Cap Index und das 2,9-Fache des Gesamtwerts aller 600 Aktien im S&P Small Cap Index beträgt, verdeutlicht diese extreme Konzentration7.

Der S&P weist die höchste Konzentration seit den späten 1970er Jahren auf: Für Anleger ergibt sich ein erhebliches Konzentrationsrisiko bei Einzeltiteln, Sektoren und Themen. Small- und Mid-Cap-Indizes bieten eine breitere sektorübergreifende Streuung. Die zehn wichtigsten Titel 8im S&P 400 machen nur 7 %, die Top 10 im S&P 600 nur 6,8 % des Index aus – beim S&P 500 entfallen ganze 39 % auf die zehn größten Titel . Bei den Themen geht man davon aus, dass Aktien mit KI-Bezug inzwischen rund 45 % des S&P 500 ausmachen und seit der Einführung von ChatGPT im November 2022 für 75 % der Renditen des Index verantwortlich waren 9. Diese extreme Konzentration auf Einzeltitel, Sektoren oder Themen macht Large-Cap-Indizes anfällig. Die Bewertungen von Small und Mid Caps hingegen könnten zu ihrem historischen Mittelwert zurückkehren, wenn sich der Markttrend ändert.

Ein weiteres Argument für stärkere Diversifizierung ist die schwankende Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. Jahrzehntelang konnten Anleger konzentrierte Portfolios halten und sich darauf verlassen, dass Positionen in US-Schatzanleihen bei Stress am Aktienmarkt Schutz vor Kursverlusten boten. Diese Beziehung hat sich grundlegend ins Gegenteil verkehrt: Aktien und Anleihen sind nun wieder positiv korreliert.

Diese Veränderung stellt eine äußerst bedeutende Entwicklung dar, da Anleihen nicht mehr denselben Schutz vor Kursverlusten bieten, den Anleger während der Phase der negativen Korrelation genossen haben. Bei negativer Korrelation konnten Anleger sehr konzentrierte Portfolios halten und sich darauf verlassen, dass ihre Treasury-Positionen als Absicherung dienen. Die positive Korrelation bedeutet: Anleger müssen sich stärker um eine aktive Diversifizierung ihres Portfolios bemühen.

Fazit

Der aktuelle Outperformance-Zyklus der Large Caps hat 14 Jahre gedauert und war somit deutlich länger als der historische Durchschnitt von 11 Jahren. Die Marktführerschaft ändert sich normalerweise in gewissen Zyklen, und historische Muster deuten darauf hin, dass dieser Zyklus eventuell zu Ende geht.

Das Zusammenkommen mehrerer Faktoren schafft eine potenziell einzigartige Chance für Small- und Mid-Cap-Aktien. Die Kombination aus extremen relativen Bewertungen, lockerer Geldpolitik der Fed und günstigen politischen Entwicklungen deutet darauf hin, dass dies der Beginn einer länger anhaltenden starken Performance der Small und Mid Caps sein könnte. Für die Anleger, die eine Diversifizierung weg von den Konzentrationsrisiken der Large-Cap-Indizes anstreben und gleichzeitig überdurchschnittliche risikobereinigte Renditen erzielen möchten, stellt die Erhöhung der Allokation in US-amerikanische SMID-Cap-Aktien sowohl eine taktische Chance als auch eine strategische Notwendigkeit dar.

 

1 Daten Stand 30.09.2025 – Quelle: Bloomberg

2 Daten Stand 30.09.2025 – Quelle: Bloomberg

3 Daten Stand 30.09.2025 – Trailing-KGV (12 Monate) – Quelle: Bloomberg

4 https://www.ssga.com/us/en/institutional/insights/mind-on-the-market-22-september-2025

5 https://www.morganstanley.com/insights/articles/budget-reconciliation-bill-trump-tax-bill-2025-investing

6 https://clearingcustody.fidelity.com/app/proxy/content?literatureURL=/9920885.PDF

7 Daten Stand 30.09.2025 – Quelle: S&P Index Factsheets, Bloomberg

8 Daten Stand 30.09.2025 – Quelle: S&P Index Factsheets

9 https://assets.jpmprivatebank.com/content/dam/jpm-pb-aem/global/en/documents/eotm/the-blob.pdf


Verfasst von Julien Jonas, analyste actions américaines
BLI - Banque de Luxembourg Investments, eine von der luxemburgischen Finanzaufsichtsbehörde CSSF zugelassene Verwaltungsgesellschaft

Redaktionsschluss: 31 Oktober 2025.
Veröffentlicht am 25. November 2025

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